Orientierung, Navigation, Lost in Hyperspace
Wenn man einen Hypertext "aus der Vogelperspektive" betrachtet, gibt es darin n:m-Relationen. Aus Sicht des Lesers eines Hypertextes gibt es keine n:m-Relationen. In einer gegebenen Situation gibt es höchstens eine 1:n-Relation, also mehrere Verweise, die von der aktuellen Texteinheit wegführen. Diese Verweise stellen - gemeinsam mit immer verfügbaren Hypertext-Funktionen wie Backtracking und Lesezeichen - das Arsenal an Orientierungsmöglichkeiten dar, die der Anwender nutzen kann, um sich im Informationsangebot sinnvoll zu bewegen.
Was sich aus der Vogelperspektive als freies Bewegen in einem faszinierenden Netz darstellen mag, ist aus der Sicht eines konkreten Benutzers dieses Netzes die Aufgabe, sich in dem Netz, das er nicht unmittelbar überschaut (siehe auch Web-Views), zurechtzufinden, zu orientieren. Sich in einem nicht komplett übersehbaren Hypertext-Netz bewegen heißt, darin zu "navigieren". Die Anleihe aus der Welt der Hochseeschiffahrt ist bewußt gewählt und hat den führenden Anbieter von WWW-Browsern Netscape dazu bewegt, sein berühmtes Programm "Netscape Navigator" zu nennen.
Der Navigierende orientiert sich an den angebotenen Verweisen. Wenn die Verweise nicht "intelligent" sind, keinen kontextuellen Zusammenhang herstellen, droht der Navigierende die Orientierung zu verlieren und in jenen Zustand zu geraten, den man in der Hypertextliteratur als "Lost in Hyperspace" - verloren im Hyperraum - bezeichnet.
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