n:m-Relation, kohäsive Geschlossenheit
Eine Hypertext-Einheit muß dem Anspruch genügen, von ganz verschiedenen Kontexten aus gesehen ein sinnvolles Verweisziel zu sein. Wenn der Anwender an irgendeiner anderen Stelle auf einen Verweis klickt, der zu dieser Texteinheit hier führt, muß die Texteinheit so gestaltet sein, daß sie in jedem Fall den Gedankensprung, den der Anwender mit dem Verweis "gewagt" hat, belohnt. Da der Kontext, also der Informationszusammenhang, von dem aus der Anwender zu dieser Texteinheit springt, ganz verschieden sein kann, muß diese Texteinheit so konzipiert sein, daß sie alle denkbaren Kontexte befriedigt. Das kann sie nur leisten, indem sie sich gewissermaßen "einigelt" und sich radikal auf ihre eigene Aussage konzentriert. Diese Einigelung bezeichnet man als "kohäsive Geschlossenheit". Die Konstellation, daß viele verschiedene andere Testeinheiten zu ein und derselben Texteinheit verweisen können, gilt als n:m-Relation (n = viele, m = irgendein Ziel, aber ein bestimmte Ziel).
Mit dem Begriff der "informationellen Einheit" versucht R. Kuhlen, einen informationswissenschaftlich diskutierten Begriff für die "Einheiten" eines Hypertextes zu etablieren. Dabei geht er auch auf die Problematik der kohäsiven Geschlossenheit solcher Hypertext-Einheiten ein, denn:
"Wissen bzw. aktuelle Information ist immer in einen größeren semantischen und/oder argumentativen Kontext eingebunden" (Kuhlen, S. 81). Es gibt kein "autonomes Stück Information". Wie kann dann in Hypertexteinheiten, die dem Anspruch genügen müssen, kohäsiv geschlossen zu sein, Information angeboten werden? "Obgleich die Kunst zweifellos darin besteht, informationelle Einheiten so festzulegen, daß sie aus sich heraus verstanden werden können, müssen sie doch gleichzeitig auf ihren informationellen Kontext verweisen" (Kuhlen, S. 81).
Eine Hypertext-Einheit muß demzufolge inhaltlich in sich geschlossen sein und gleichzeitig ausdrücklich auf übergeordnete oder verwandte Information verweisen, um dem Leser/Anwender so ihren Informationskontext zu zeigen. Dies kann durch ausführbare Querverweise, durch Verweise auf übergeordnete Ebenen, oder durch Verweise auf besondere Navigationshilfen wie Web-Views geschehen.
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