Hypertext, Computer und Computernetze
Hypertext wird heute ausschließlich auf Computern realisiert, weil Computer die spezifischen Anforderungen eines Hypertextes hervorragend unterstützen. In der Vergangenheit gab es jedoch auch Versuche, so etwas wie Hypertext mit herkömmlichen Mitteln zu realisieren. So kam in den frühen siebziger Jahren ein didaktisches Konzept in Mode, das sich "programmierte Unterweisung" nannte. Es handelte sich um Bücher, die man nicht sequentiell lesen konnte, sondern die so aufgebaut waren, daß der Schüler kleine Informationshäppchen oder Fragen angeboten bekam und dazu eine Auswahl an Querverweisen zu anderen Stellen im Buch. Auch die Verweisziele waren Informationshäppchen oder Kommentare zu der ausgewählten Antwort mit neuen Querverweisangeboten zu anderen Stellen.
Es zeigte sich jedoch, daß das viele Blättern in solchen Büchern nicht gerade die Konzentration auf den Lehrstoff förderte. Hier sind Computer weit überlegen. Ein Klick mit der Maus auf einen Verweis, und das gewünschte Verweisziel wird angezeigt. Dieser Komfort wird freilich mit einem Nachteil bezahlt: einem im Computer verfügbaren Hypertext kann man nicht ansehen, wie groß er ist, d.h. man kann sich keine rechte Vorstellung davon machen. Hypertext-interne Techniken wie Web-Views versuchen diesen Nachteil auszugleichen.
Da über erstaunlich wenige Gedankensprünge aber alles mit allem vernetzbar ist, haben Hypertexte die Tendenz, potentiell allumfassend zu sein. Deshalb sind lokal auf einem Computer oder Speichermedium verfügbare Hypertexte auf die Dauer unbefriedigend. Auch kam schon früh (bereits 1965 bei Ted Nelson) der Wunsch auf, Hypertext-Einzelprojekte weltweit zu vernetzen. Doch erst Ende der achtziger Jahre, als das Thema Hypertext in weiteren Kreisen diskutiert wurde, wurde die Idee geboren, das weltweite Internet für einen Hypertext-orientierten Dienst zu nutzen. Aus diesen Überlegungen entstand Anfang der neunziger Jahre schließlich das World Wide Web.
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