Hypertext, Kapitel, Verzeichnisse und Querverweise
Man kann den Begriff "Hypertext" entmystifizieren, indem man die Besonderheiten von Hypertext durch Begriffe aus der Welt der Bücher beschreibt. Denn stark strukturierte Bücher enthalten im Prinzip alles, was Hypertexte auch enthalten: monohierarchische Strukturen (Kapitel und Unterkapitel), polyhierarchische Strukturen (Querverweise), sowie metahierarchische Strukturen (Inhaltsverzeichnisse, Stichwortverzeichnisse usw.) - siehe auch Karteisysteme contra Buchmetapher. Der Unterschied liegt allein in der Präsentation: im Buch dominiert letztendlich der "Textfluß", also die lineare Textpräsentation "Seite für Seite"; bei Hypertexten, die am Bildschirm präsentiert werden, gibt es keinen Textfluß mehr.
Überspitzt kann man es so ausdrücken: Texte in Büchern, auch in stark strukturierten Büchern, liest man; Hypertexte dagegen liest man nicht, sondern man "navigiert" in ihnen.
Dazu kommen bei Hypertext als computervermitteltem Medium allerdings spezifische Leistungsmerkmale, die erst durch die EDV möglichgeworden sind, vor allem die Fähigkeit von Computern, große Datenbestände blitzschnell nach bestimmten Kriterien zu durchsuchen und entsprechende Suchergebnisse aufzulisten. Dadurch wird auch eine Informationsselektion möglich, die gar nicht zum Sturkturkonzept des Autors bei der Informationsvermittlung gehört, sondern alleine vom Anwender angestoßen wird. Navigation in Hypertexten wird dadurch zum anwenderabhängigen Information Retrieval.
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