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WWW und HTML

Hypertext-Systeme waren bislang nur in Fachkreisen Gegenstand von Diskussionen und von Ambitionen. Mit dem World Wide Web haben wir nun praktisch über Nacht ein neues Massenmedium erhalten, das einen hypertext-orientierten Ansatz verfolgt. Es macht formatierten Text und Grafik (mittlerweile und in Zukunft auch verstärkt Sound und Video) direkt im weltweiten Internet anzeigbar und enthält die Möglichkeit, auf jede andere Information im Internet ausführbare Verweise zu setzen.

Das Internet-Protokoll HTTP (Hypertext Transfer Protocol), das oberhalb des TCP/IP-Protokolls (der "Socket-Verbindung") aufsetzt, und die einheitliche, hypertextfähige Dokumentauszeichnungssprache HTML (Hypertext Markup Language) sind die beiden Säulen des WWW. Weder das HTTP-Protokoll noch die HTML-Sprache sind bis heute sonderlich ausgereift. Das HTTP-Protokoll hat Sicherheitslücken und unterstützt im Gegensatz etwa zum Xanadu-System keine Möglichkeit eines Tantiemensystems für Informationsbereitsteller. HTML verdankt seine Weiterentwicklungen, aber auch seine Probleme bei der Festsetzung eines verbindlichen Standards dem Machtkampf zwischen den führenden Software-Anbietern Netscape und Microsoft - und dem geringen Leistungsumfang, den die Initiatoren des W3-Konsortiums der Spache zunächst mit auf den Weg gegeben haben.

Der unglaubliche Erfolg des WWW ist jedoch kaum auf die Tatsache zurückzuführen, daß es hypertext-orientiert ist. Der Erfolg beruht im wesentlichen darauf, Information attraktiv aufzubereiten und weltweit aufrufbar zu machen. Je mehr Teilnehmer das WWW verzeichnet (zur Zeit schätzt man bereits mehr als 50 Millionen weltweit), desto größer der Reiz, in diesem gewaltigen Publikum selbst zum Anbieter zu werden. Dadurch ist eine Spirale in Gang gesetzt worden, die wohl binnen weniger Jahre die kühnsten Träume aller Hypertext-Utopisten wahr werden läßt und das gesamte Weltwissen auf einer einheitlichen, immer mehr Menschen zugänglichen Plattform verfügbar machen wird.

Hypertext im WWW ist strikt nach Authoring und Browsing getrennt. Die Abschirmung erfolgt durch das Client-Server-Modell des Internet. Anbieter von HTML-Dateien (WWW-Seiten) können die Dateien auf Internet-Server-Rechnern ablegen, die das HTTP-Protokoll unterstützen. Der Anwender benötigt neben der Software für die Internet-Verbindung einen WWW-Browser, um im WWW zur Verfügung stehende WWW-Seiten aufzurufen. HTML-Dateien oder HTML-generierende Programme, die auf Server-Rechnern abgelegt sind, können dort von keinem Anwender geändert werden. Jedoch kann der Anwender übertragene Dateien auf seinem Client-Rechner ablegen, manipulieren und an anderer Stelle wieder ins WWW hochladen. Dies ist vielen Anbietern ein Dorn im Auge, hat aber mit dazu beigetragen, daß sich HTML so stark verbreiten konnte und so vielen Menschen zugänglich wurde.

Das WWW ist kein Hypertext, sondern eine weltweite und öffentliche Plattform für Hypertext-Projekte mit der Möglichkeit, auch direkt aufeinander zu verweisen. In welchem Umfang das WWW in Zukunft jedoch echten Hypertext bieten wird, hängt stark davon ab, wie weit sich das Bewußtsein von Informationsanbietern entwickelt, daß sie sich in einem Netz befinden und nicht in einer wahllosen Internet-Adressenlandschaft.

Weitere Informationen im WWW:

 Multimedialer Hypertext im World Wide Web (von Rainer Kluthe)
 HTML-Dateien selbst erstellen (vom Autor dieses Dokuments)

weiterblättern E-Mail senden an: s.muenz@euromail.com
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